Sonntag, 25. September 2016

Tschick

(© STUDIOCANAL)
Tschick (Deutschland 2016, 93 Minuten)

Regie: Fatih Akin

Besetzung: Anand Batbileg (Tschick), Tristan Göbel (Maik Klingenberg), Nicole Mercedes Müller (Isa)

Handlung: Der 14-jährige Maik ist der Außenseiter in seiner Klasse – bis Andrej Tschick Tschichatschow als neuer Mitschüler dazu stößt. Zu Beginn der Sommerferien steht der auf einmal mit einem geklauten Lada vor Maiks Tür und beide begeben sich auf einen Roadtrip mit dem Ziel, Tschicks Großvater in der Walachei zu besuchen. Dabei lassen sie ignorante Klassenkameradinnen, alkoholkranke Mütter und untreue Väter hinter sich. Natürlich begegnen sie auf ihrer Reise allerhand skurriler Personen, geraten in nicht weniger absurde Situationen und lernen im Endeffekt eine Menge über sich selbst und das Leben.


Zum Film: Die Verfilmung des 2010er Bestsellers von Wolfgang Herrndorf (der leider im Jahr 2013 den Freitod wählte), war seit längerem in der Planung und sollte zunächst von David Wnendt (Er ist wieder da) umgesetzt werden, bevor schließlich Fatih Akin (Gegen die Wand) diesen Job übernahm. Die Hauptrollen übernahmen Tristan Göbel, der bereits einige Schauspiel-Engagements vorweisen kann und der gänzlich unerfahrene Anand Batbileg. Herausgekommen ist eine durchweg sympathische Roman-Umsetzung, die mit einigen starken und amüsanten Szenen aufwartet – aber schlussendlich ziemlich belanglos bleibt und sich damit nicht lange im Gedächtnis festsetzen wird.

An den beiden Hauptdarstellern liegt dies nicht. Auch wenn man dem Schauspiel Anand Batbilegs die fehlende Erfahrung ansieht, so ist er doch stark besetzt und erfüllt die Rolle mit viel Leben. Und auch Tristan Göbel macht seinen Job wirklich gut. Das große Problem des Films ist das selbe, das ein großer Teil aller Literaturverfilmungen hat: Es wird vieles nur angeschnitten, als Nichtkenner des Romans fragt man an vielen Stellen nach dem Sinn. Der Film ist sehr sprung- und episodenhaft und durch das nur kurze Auftauchen einiger Figuren oder Handlungsorte, kann keinerlei Bindung, Sympathie oder Interesse aufgebaut werden, wodurch das Geschehen auf der Leinwand lediglich an einem vorbeizieht und man teilnahmslos auf die Leinwand starrt.

Auch wenn Fatih Akin und sein Team schöne und passende Bilder zustande gebracht und das Ganze mit einem guten Soundtrack unterlegt haben, hier ist alles furchtbar belanglos. So betrügt Maiks Vater seine alkoholkranke Frau und schlägt seinen Sohn. Tschick trinkt, stiehlt und fürchtet sich davor, ins Heim gesteckt zu werden. Aber bei all diesen (und noch viel mehr) Themen wird höchstens an der Oberfläche gekratzt – und auch wenn man merkt, dass der Roman dies wohl deutlich besser heraus gearbeitet hat: der Film Tschick ist viel, viel mehr Schein als Sein.
Fazit: Es ist gerade ein paar Stunden her, dass ich den Kinosaal verließ, und ich habe Tschick schon beinahe vergessen. Zurück bleibt nur die Erinnerung an die sympathischen Haupt-Protagonisten und das Freiheitsgefühl der Jugend, das Fatih Akin an manchen Stellen schön einzufangen weiß. Doch reiht der Film sich leider nicht in die lange Liste der tollen Coming of Age-Filme ein, die von Klassikern wie Stand By Me, Die Goonies oder neuen Perlen wie Kings of Summer angeführt wird. All diese Filme schaffen es so viel besser die Probleme, Gedanken und Wünsche der Jugend zu vermitteln und ein Mitfiebern mit den Charakteren herauf zu beschwören. 

Tschick schneidet die meisten Themen nur an, arbeitet sie nicht heraus und somit plätschert der Film vor sich hin, tut dabei nicht weh, ist aber weder sonderlich tiefgründig noch mitreißend. Das ist wirklich schade, weil das eigentlich vorhandene Potential durchgängig erkennbar ist, auch ohne den, dem Film zugrunde liegenden, Roman zu kennen. Ein paar Minuten mehr als die 93, die es geworden sind, hätten Tschick wohl nicht geschadet. 
Zurück bleibt so ein sympathischer, aber sehr durchschnittliches Coming of Age-Road Movie – für Buch-Kenner und 14-jährige sicher interessant, für mich aber nur 5,5 von 10 Punkten wert.

Freitag, 23. September 2016

#Horrorctober 2016 – The Ghost of Horrorctober










Es ist wieder soweit: Der Oktober und damit der gruseligste Monat des Jahres steht bevor – zumindest, wenn man an der Horrorctober-Aktionder Cinecouch teilnimmt. Wie bereits 2015 (wo ich unter anderem Ilsa, She Wolf of the SS, Armee der Finsternis und It follows besprochen habe), ist das bei mir auch 2016 wieder der Fall.


In diesem Jahr werde ich die Regeln aus Zeitgründen ein wenig beugen und anstatt 13 nur 10 Filme ansehen und besprechen – dafür aber unter dem Vorsatz, aus jedem Jahrzehnt (von den 1920er Jahren bis heute) einen Film zu behandeln. Da meine Liste nun endgültig steht, möchte ich diese an dieser Stelle mit euch teilen und einen kleinen Vorgeschmack auf mein Horrorctober-Programm geben.

1920er
(© Image Entertainment)
Der Untergang des Hauses Usher (La chute de la maison Usher)

Frankreich 1928, 63 Minuten

Regie: Jean Epstein

IMDb: 7,5







1930er
(© Warner)
Freaks – Mißgestaltete (Freaks)

U.S.A. 1932, 64 Minuten

Regie: Todd Browning

IMDb: 8,0



1940er
(© Universal Pictures)
Der Wolfsmensch (The Wolf Man)

U.S.A. 1941, 70 Minuten

Regie: Georg Waggner

IMDb: 7,4







1950er
(© Twentieth Century Fox)
Die Fliege (The Fly)

U.S.A. 1958, 94 Minuten

Regie: Kurt Neumann

IMDb: 7,1




1960er
(© Paramount)
Rosemaries Baby (Rosemary's Baby)

U.S.A. 1968, 136 Minuten

Regie: Roman Polanski

IMDb: 8,0







1970er
(© STUDIOCANAL)
Nosferatu: Phantom der Nacht

BRD/Frankreich 1979, 107 Minuten

Regie: Werner Herzog

IMDb: 7,6







1980er
(© Ascot Elite)
Tenebre – Der kalte Hauch des Todes (Tenebre)

Italien 1982, 101 Minuten

Regie: Dario Argento

IMDb: 7,2







1990er
(©Illusions Unltd.)
Ebola Syndrome (Yi boh lai beng duk)

Hong-Kong 1996, 98 Minuten

Regie: Herman Yau

IMDb: 6,5







2000er
(© Tiberius Film)
Cabin Fever

U.S.A. 2002, 93 Minuten

Regie: Eli Roth

IMDb: 5,6







2010er
(© STUDIOCANAL)
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (The Crazies)

U.S.A. 2010, 101 Minuten

Regie: Breck Eisner

IMDb: 6,5







Ich bin sehr gespannt auf meine kleine Reise durch die Geschichte des Horrorfilms in den vergangenen 100 Jahren – und selbstverständlich auch auf die Erlebnisberichte eures #Horrorctobers!




Rocketman

(© LateNite Films)


Der kleine Außenseiter Harry hat es nicht leicht: in der Schule wird er gemobbt, zuhause schlägt der Vater die Mutter. Nur der Star seiner Lieblingsfernsehserie The Star Ship Captain kann ihn noch aufmuntern – bis Harry eines Tages auf Jordan trifft und die zwei Jungen Freunde werden. Beide sind mit sprudelnder Fantasie ausgestattet und beschließen schließlich, es dem Star Ship Captain gleichzutun und etwas gegen das Böse zu unternehmen.

„Rocketman“ spielt im Melbourne der 1970er Jahre und ist ein wunderbarer kleiner Kurzfilm über die Macht von Vorstellungskraft und Freundschaft. In einem schönen Retro-Look, der leicht an Stranger Things erinnert, versetzen Autor Phil Enchelmeier und Regisseur Nicholas Colla den Zuschauer für ein paar Minuten zurück in die (und vielleicht eure eigene) Vergangenheit. Nehmt euch eine kleine Auszeit und lasst euch einlullen vom warmen Zauber dieses kleinen Filmchens.



HIER geht’s zu den vollständigen Credits.

Mittwoch, 3. August 2016

The Legend of Tarzan

(© Warner Bros. Pictures)
The Legend of Tarzan (U.S.A. 2016, 110 Minuten)

Regie: David Yates

Besetzung: Alexander Skarsgard (Tarzan), Margot Robbie (Jane), Christoph Waltz (Leon Rom), Samuel L. Jackson (George Washington Williams), Djimon Hounsou (Häuptkubg Mbonga), Jim Broadbent (Britischer Premierminister) 

Handlung: Seit einigen Jahren lebt der als "Tarzan" bekannte "Mann aus dem Dschungel" mit seiner Verlobten Jane in England – nun unter seinem Geburtsnamen John Clayton III. – um sein rechtmäßiges Erbe als Lord von Greystoke anzutreten und ein gutbürgerliches Leben zu führen. Diese Ruhe wird jedoch gestört, als er vom britischen Parlament als Sonderbotschafter für Handelsfragen zurück in den Kongo geschickt wird, in dessen Dschungel er einst aufgewachsen war. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nichts davon, dass das Ganze nur ein geschickt eingefädelter Plan zur Rettung der belgischen Kolonialherrschaft des Kongo darstellt, den sich die rechte Hand des belgischen Königs, Leon Rom, erdacht hat. Damit gerät nicht nur Tarzan in große Gefahr, sondern auch alle die ihm nahe stehen – und die gesamte Bevölkerung des Kongo.

Zum Film: Regisseur David Yates und sein Team versuchten sich in The Legend of Tarzan an einer Modernisierung des altbekannten Stoffes. Der Grundgedanke dahinter ist löblich und gleichzeitig wird das versucht, was derzeit haufenweise Blockbuster versuchen: die Geschichte behandelt einen möglichst großen Konflikt, ist düster und ernst, wird aber gleichzeitig immer wieder durch groß angelegte Actionsequenzen und eine Prise Humor aufgelockert. Funktioniert das? Nein – doch wie gesagt, ist die Idee löblich. Diese Tarzan-Verfilmung behandelt Themen wie Sklaverei oder die Ausbeutung der Kolonien, doch verliert sich die Geschichte, die noch ganz interessant anfängt, so schnell in hanebüchenen Wendungen, Logiklöchern, dämlichen Dialogen und Szenen zum An-den-Kopf-fassen, dass von den gut gemeinten Grundthemen nichts mehr übrig bleibt, als ein großer Blockbuster-Wust voller Missverständnisse.

Die Charaktere, die sich die Drehbuchschreiber Adam Cozad und Craig Brewer erdacht haben, besitzen dabei keine sonderliche Tiefe – wobei diese noch mit zu den positiven Punkten des Films gehören, denn sie stören den Sehgenuss nicht wirklich. Lediglich die Rolle des George Washington Williams, die Samuel L. Jackson verkörpert, fällt tatsächlich negativ ins Gewicht. Diese hat einzig und allein dann Bewandtnis, wenn die Stimmung aufgelockert und ein lustiger oder cooler Spruch gebracht werden muss, welche aber meist peinlich ausfallen. Auch spielt Jackson wie auf Autopilot und zeigt bei weitem keine seiner besten Leistungen. Das selbe trifft auf Christoph Waltz zu, der den immergleichen Hans Landa spielt und damit zwar zu unterhalten, aber auf keinen Fall zu begeistern weiß – und das, obwohl er noch die spannendste Figur des Films verkörpern darf. Alexander Skarsgard hingegen ist die optimale Besetzung des Tarzan, allein äußerlich trifft er den Mann aus dem Dschungel perfekt und er vermittelt mehr als glaubhaft die zutiefst animalische Seite des Titelhelden. Und auch Margot Robbie als Jane weiß meist zu bezaubern und bietet mit ihrer frechen Art eine tolle emanzipierte Jane-Interpretation.

Ein weiterer Punkt, in dem The Legend of Tarzan durchaus zu begeistern weiß, sind die vielen großartigen Landschaftsaufnahmen. Auf der großen Leinwand wirken diese wunderbar fotografierten Bilder des Kongo wirklich beeindruckend. Leider gibt es auf der optischen Seite dann auch einen dicken Negativpunkt – und das ist die übertriebene Masse an CGI-Effekten, die in den Film gepumpt wurden. Überall wimmelt es von Tieren, die allesamt sehr sichtbar aus dem Computer stammen. Tarzan schwingt sich von CGI-Liane zu CGI-Liane durch einen CGI-Urwald und CGI-Schiffe landen vor der kongolesischen Küste. All das wäre zu verzeihen, wenn es nicht so sichtbar künstlich und schlecht aussehen würde. Bei einem Budget von 180 Millionen Dollar fragt man sich dann nur noch : "Warum?" und fasst sich ins Gesicht.

Fazit: Trotz guter Darsteller (wenn man von der Lustlosigkeit, die Jackson und Waltz präsentieren, absieht), einiger guter Story-Ideen und großartiger Landschaftsaufnahmen, ist The Legend of Tarzan alles anders als eine gute Neuinterpretation des altbekannten Stoffes. Hanebüchene Wendungen, deplatzierte Komik, Logiklöcher und miese Tricktechnik lassen Tarzan an seiner Liane mit voller Wucht gegen den nächsten Baum klatschen. Zwar gibt es ab und an Szenen, die zu begeistern wissen, doch erreicht The Legend of Tarzan zumeist nichtmal Mittelmaß. Deshalb gibt es von mir leider nur schwache 4 von 10 Punkten.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Rampage 3: President Down – Bolls letzter Film?


Rampage (2009) © Boll KG/Phase 4 Films
Das prall gefüllte Kino wartete gespannt auf einen der kontroversesten deutschen Regisseure, der seinen neuesten Film Rampage 3 vorstellen wollte. Und zusammen mit zwei bulligen Bodyguards trat Uwe Boll dann auch vor das Publikum – er sei Jan Böhmermann zur Seite gesprungen und habe ebenfalls den türkischen Präsidenten Erdogan beleidigt, worauf eine Anzeige und Todesdrohungen gefolgt seien, erklärte Boll in seiner typisch rotzigen Art.
Bevor der Film des Abends dann über die Leinwand flimmerte, erklärte Boll noch, was für ein Kraftakt es gewesen sei, das nötige Kleingeld für den Abschluss der Rampage-Reihe zusammen zu bekommen (per semi-erfolgreichem Crowdfunding) und wie kaputt die Filmbranche überhaupt sei. Kleine Filme seien nicht mehr zu finanzieren, außer der finanzielle Verlust wäre bereits eingeplant – und da er sowieso genug Geld auf der hohen Kante habe und seine wichtige Botschaft an die Welt, verstimmlicht von Bill Williamson, dem Hauptprotagonisten der Rampage-Filme, nun durch den letzten dieser "politisch wichtigen" Filme vollständig in die Welt getragen sei, betonte Boll noch einmal lautstark, dass seine Karriere als Filmemacher nach Rampage 3 endgültig beendet sei. Dabei wirkte er, wie so oft, wie ein beleidigtes Kind, mit dem niemand spielen will und das deswegen trotzig erklärt, dass es eh lieber alleine spiele.

Mit seiner mehr als offenen Art und seinen drastischen Äußerungen hatte Uwe Boll bei mir immer einen kleinen Stein im Brett. Irgendwo zwischen unterhaltsam, polarisierend, wildem Kopfschütteln und Gedanken á la "Oh, da hat er 'nen Punkt", pendelte sich meine Meinung über den Regisseur aus Wermelskirchen ein und insgesamt gehörte ich nie zu denen, die auf Boll und sein filmisches Schaffen einschlugen. Im Gegenteil, ich habe immer nach den wenigen Perlen gesucht. Postal, Rampage I & II, Assault on Wall Street und Darfur haben mir dabei sogar recht gut gefallen, womit Boll, in meinen Augen, die Prädikatisierung als "deutschem Ed Wood" beim besten Willen nicht verdient hat – auch wenn sich in seiner Vita wirklich grauenhafte Machwerke finden lassen.
Auf Rampage 3: President Down habe ich mich auf jeden Fall gefreut und war gespannt, was Boll uns als sein "Vermächtnis" präsentieren würde. Und dann brach dieser Film über uns herein... 

Handlung: Bill Williamson (Brendan Fletcher), der in den ersten beiden Teilen aus Frustration über die Gesellschaft, das politische System und die Reichen und Mächtigen zunächst Amok gelaufen war und dann einen ganzen Fernsehsender als Geiseln genommen und schließlich in die Luft gejagt hatte, hält sich in einem unterirdischen Versteck in einem abgelegenen Wald versteckt und plant dort seinen finalen Schlag gegen die Führung der USA. Wie der Titel des Films bereits verrät, ist dies die Ermordung des Präsidenten – inklusive Vizepräsident und Verteidigungsminister. Dies gelingt Bill auch (Leider Off Screen...), woraufhin die Welt in Panik gerät und sich daraufhin alle verfügbaren Kräfte auf die Suche nach dem Mörder des Staatsoberhaupts begeben. 
Leiter dieser Aktion sind die FBI-Agenten Vincent Jones (Ryan McDonell) und James Molokai (Steve Baran), die nach einiger Zeit dann auch auf die Spur von Bill Williamson, den die ganze Welt für tot gehalten hatte, kommen. Währenddessen schwingt dieser hochtrabende und plakative Reden in seine Kamera und verbringt noch ein wenig Zeit mit seiner Freundin und seinem Kind, bevor es auf die große obligatorische Konfrontation zwischen FBI und Bill hinausläuft...

Rampage: Capital Punishment (2014) 
© Event Film Distribution/Phase 4 Films
Fazit: An Rampage 3: President Down ist so ziemlich alles schlecht. Während die Vorgänger wenigstens noch ab und an mit gut gemachter Action und zynischem Humor glänzen konnten, ist hier wirklich alles nur noch voller Klischees, plakativer Meinungsmache, dummen Dialogen und billiger Action. An vielen Stellen lacht man gequält beschämt oder lauthals belustigt, an vielen anderen verdreht man nur noch die Augen. Motivation und Handlungen der Charaktere bleiben völlig unklar (auf Nachfrage am Ende konnte auch Boll auf manches nur mit "Keine Ahnung, woher soll ich das wissen?" antworten), Plotlöcher biblischen Ausmaßes durchziehen die Handlung und es ist unglaublich, wie dumm und plump der Großteil der Dialoge daherkommt. Vor allem die Gespräche zwischen den FBI-Agenten strotzen nur so vor Plattheit und Nichtigkeit, dass einem beinahe schlecht wird. Auch deren Darsteller sind unterirdisch und vollkommen unsympathisch. Der einzige Lichtblick auf Schauspielerseite bleibt Brendan Fletcher, der seine Sache als einziger gut macht und wirklich schauspielert, wodurch seine Mitstreiter allerdings noch hölzerner aussehen.
Doch wenn man von Darstellern, Handlung und Dialogen absieht, bleibt das, was die Rampage-Reihe ausmacht und wo auch Regisseur Boll die Prioritäten setzte: politische Botschaften vermittelt durch drastische und abschreckende Gewaltdarstellung – und was in den beiden vorherigen Teilen noch ganz gut funktionierte, wirkt hier nur noch plakativ und plump. Immer wieder setzt Bill Williamson sich vor seine Videokamera, erklärt die Korruptheit der Obrigen und ruft zu "Kill the Rich!" auf. Boll versucht seine Botschaften mit dem Holzhammer in die Köpfe der Zuschauer zu prügeln und beschränkt sich nicht auf den Pfahl, sondern winkt gleich mit dem gesamten Zaun. Nichts bleibt kryptisch, alles wird dem Publikum direkt auf die Nase gebunden. (Und die Diskussion, ob man gut gemeinte "politische" Aussagen, durch einen Amokläufer als Sympathiefigur herausposaunen muss, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst beginnen.)

Den letzten Hoffnungsschimmer für den Film stellen also Action und Gewalt dar, die in einem Film über einen Terroristen ja zur Genüge vorhanden sein sollten. Doch auch dieser Aspekt enttäuscht auf ganzer Linie. Nachdem bereits der Mord am Präsidenten Off Screen passiert war, beschränkt sich Boll zunächst für eine Stunde oder mehr auf die (schlechten geschriebenen) Charaktere, lässt sie Reden schwingen und gestelzt Interagieren. Erst zum Ende kommt es zum extrem enttäuschenden Showdown, in welchem das fehlende Budget mehr als deutlich wird. Hier werden immer wieder Szenen recycelt, die 20 Statisten in SWAT-Uniformen sterben mehrmals und Blut gibt es auch nahezu keins zu sehen. Die Waffen wirken nicht mal im Ansatz echt und der Sound (wie auch der Soundtrack) ist unterirdisch. Auch hier enttäuscht das Boll-Machwerk also auf ganzer Linie. Den Schlusspunkt setzen dann die obligatorischen Tode der Hauptpersonen, deren langgezogener Charakteraufbau keinerlei emotionalen Payoff erhält. Hier zeigt sich, deutlicher als ich es je zuvor in einem Boll-Film gesehen habe, schludriges und unmotiviertes Screenwriting. Damit stellt Rampage 3: President Down insgesamt den peinlichen Abschluss einer Trilogie, die – für Uwe Bolls Filmographie – recht vielversprechend gestartet war. 
Von mir gibt es dementsprechend keinerlei Sehempfehlung. Ich kann hier nur 2 von 10 Punkten geben und die sind allein für Brendan Fletchers wiederholt einigermaßen sehenswerte Darstellung des psychopathischen Bill Williamson.


Dr. Uwe Boll, der Thorsten Legat des Films
Wenn dieser Film wirklich das Vermächtnis von Uwe Boll sein sollte, wie er auch nach Ende des Films noch einmal lauthals betonte, wäre dies ein wenig beschämend. Denn Boll hat weitaus besseres abgeliefert als den Schund, den Rampage 3 darstellt. Das mag auch am niedrigen Budget liegen, doch ist auch neben den nicht vorhandenen Schauwerten viel zu viel falsch gelaufen in diesem Film – wie z.B. das absurd schlechte Drehbuch. 
Uwe Boll scheint dies nicht bewusst zu sein, er hält seinen, laut eigener Aussage, letzten Film für wahnsinnig wichtig. Die Schwächen scheinen ihm dabei durchaus bewusst zu sein, was wenige humorvolle Äußerungen zur Story durchblicken ließen, doch blockte Boll auch nahezu sämtliche Fragen zum Film ab und konzentrierte sich auf seine drastischen, lauten und teilweise wirren politischen Botschaften. Keiner von uns würde friedlich in seinem Bett sterben, globale Erwärmung oder Terror würden uns in die Quere kommen, Trump würde auf jeden Fall US-Präsident werden und es müsse endlich ein Ruck durch Deutschland und die ganze Welt gehen. 
Für mich bleibt Boll nach diesem Abend ein Mensch mit dicken Eiern, der seinen Standpunkt – der grundsätzlich auf guten Überlegungen basiert – mit breiter Brust vertritt. Damit ist er für mich nicht der "Deutsche Ed Wood", sondern vielmehr der Thorsten Legat der Filmbranche. Von Boll wird man auch in Zukunft bestimmt noch einiges hören, auch wenn (zunächst) nicht mehr in Form von Filmen – was nach Rampage 3 vielleicht auch besser ist. Denn eines hat er auch nach 32 Filmen mit insgesamt über 600 Millionen Dollar Budget nicht verstanden: dass es für einen guten Film vor allem auch eine gute und glaubhafte Geschichte braucht und nicht in erster Linie Gewalt, plakative Aussagen und teure Hollywoodstars.


... und wer Uwe Boll noch nie hat hassen hören, hier einmal seine Meinung zu Hollywood und seinen Stars: