Mittwoch, 3. August 2016

The Legend of Tarzan

(© Warner Bros. Pictures)
The Legend of Tarzan (U.S.A. 2016, 110 Minuten)

Regie: David Yates

Besetzung: Alexander Skarsgard (Tarzan), Margot Robbie (Jane), Christoph Waltz (Leon Rom), Samuel L. Jackson (George Washington Williams), Djimon Hounsou (Häuptkubg Mbonga), Jim Broadbent (Britischer Premierminister) 

Handlung: Seit einigen Jahren lebt der als "Tarzan" bekannte "Mann aus dem Dschungel" mit seiner Verlobten Jane in England – nun unter seinem Geburtsnamen John Clayton III. – um sein rechtmäßiges Erbe als Lord von Greystoke anzutreten und ein gutbürgerliches Leben zu führen. Diese Ruhe wird jedoch gestört, als er vom britischen Parlament als Sonderbotschafter für Handelsfragen zurück in den Kongo geschickt wird, in dessen Dschungel er einst aufgewachsen war. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nichts davon, dass das Ganze nur ein geschickt eingefädelter Plan zur Rettung der belgischen Kolonialherrschaft des Kongo darstellt, den sich die rechte Hand des belgischen Königs, Leon Rom, erdacht hat. Damit gerät nicht nur Tarzan in große Gefahr, sondern auch alle die ihm nahe stehen – und die gesamte Bevölkerung des Kongo.

Zum Film: Regisseur David Yates und sein Team versuchten sich in The Legend of Tarzan an einer Modernisierung des altbekannten Stoffes. Der Grundgedanke dahinter ist löblich und gleichzeitig wird das versucht, was derzeit haufenweise Blockbuster versuchen: die Geschichte behandelt einen möglichst großen Konflikt, ist düster und ernst, wird aber gleichzeitig immer wieder durch groß angelegte Actionsequenzen und eine Prise Humor aufgelockert. Funktioniert das? Nein – doch wie gesagt, ist die Idee löblich. Diese Tarzan-Verfilmung behandelt Themen wie Sklaverei oder die Ausbeutung der Kolonien, doch verliert sich die Geschichte, die noch ganz interessant anfängt, so schnell in hanebüchenen Wendungen, Logiklöchern, dämlichen Dialogen und Szenen zum An-den-Kopf-fassen, dass von den gut gemeinten Grundthemen nichts mehr übrig bleibt, als ein großer Blockbuster-Wust voller Missverständnisse.

Die Charaktere, die sich die Drehbuchschreiber Adam Cozad und Craig Brewer erdacht haben, besitzen dabei keine sonderliche Tiefe – wobei diese noch mit zu den positiven Punkten des Films gehören, denn sie stören den Sehgenuss nicht wirklich. Lediglich die Rolle des George Washington Williams, die Samuel L. Jackson verkörpert, fällt tatsächlich negativ ins Gewicht. Diese hat einzig und allein dann Bewandtnis, wenn die Stimmung aufgelockert und ein lustiger oder cooler Spruch gebracht werden muss, welche aber meist peinlich ausfallen. Auch spielt Jackson wie auf Autopilot und zeigt bei weitem keine seiner besten Leistungen. Das selbe trifft auf Christoph Waltz zu, der den immergleichen Hans Landa spielt und damit zwar zu unterhalten, aber auf keinen Fall zu begeistern weiß – und das, obwohl er noch die spannendste Figur des Films verkörpern darf. Alexander Skarsgard hingegen ist die optimale Besetzung des Tarzan, allein äußerlich trifft er den Mann aus dem Dschungel perfekt und er vermittelt mehr als glaubhaft die zutiefst animalische Seite des Titelhelden. Und auch Margot Robbie als Jane weiß meist zu bezaubern und bietet mit ihrer frechen Art eine tolle emanzipierte Jane-Interpretation.

Ein weiterer Punkt, in dem The Legend of Tarzan durchaus zu begeistern weiß, sind die vielen großartigen Landschaftsaufnahmen. Auf der großen Leinwand wirken diese wunderbar fotografierten Bilder des Kongo wirklich beeindruckend. Leider gibt es auf der optischen Seite dann auch einen dicken Negativpunkt – und das ist die übertriebene Masse an CGI-Effekten, die in den Film gepumpt wurden. Überall wimmelt es von Tieren, die allesamt sehr sichtbar aus dem Computer stammen. Tarzan schwingt sich von CGI-Liane zu CGI-Liane durch einen CGI-Urwald und CGI-Schiffe landen vor der kongolesischen Küste. All das wäre zu verzeihen, wenn es nicht so sichtbar künstlich und schlecht aussehen würde. Bei einem Budget von 180 Millionen Dollar fragt man sich dann nur noch : "Warum?" und fasst sich ins Gesicht.

Fazit: Trotz guter Darsteller (wenn man von der Lustlosigkeit, die Jackson und Waltz präsentieren, absieht), einiger guter Story-Ideen und großartiger Landschaftsaufnahmen, ist The Legend of Tarzan alles anders als eine gute Neuinterpretation des altbekannten Stoffes. Hanebüchene Wendungen, deplatzierte Komik, Logiklöcher und miese Tricktechnik lassen Tarzan an seiner Liane mit voller Wucht gegen den nächsten Baum klatschen. Zwar gibt es ab und an Szenen, die zu begeistern wissen, doch erreicht The Legend of Tarzan zumeist nichtmal Mittelmaß. Deshalb gibt es von mir leider nur schwache 4 von 10 Punkten.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Rampage 3: President Down – Bolls letzter Film?


Rampage (2009) © Boll KG/Phase 4 Films
Das prall gefüllte Kino wartete gespannt auf einen der kontroversesten deutschen Regisseure, der seinen neuesten Film Rampage 3 vorstellen wollte. Und zusammen mit zwei bulligen Bodyguards trat Uwe Boll dann auch vor das Publikum – er sei Jan Böhmermann zur Seite gesprungen und habe ebenfalls den türkischen Präsidenten Erdogan beleidigt, worauf eine Anzeige und Todesdrohungen gefolgt seien, erklärte Boll in seiner typisch rotzigen Art.
Bevor der Film des Abends dann über die Leinwand flimmerte, erklärte Boll noch, was für ein Kraftakt es gewesen sei, das nötige Kleingeld für den Abschluss der Rampage-Reihe zusammen zu bekommen (per semi-erfolgreichem Crowdfunding) und wie kaputt die Filmbranche überhaupt sei. Kleine Filme seien nicht mehr zu finanzieren, außer der finanzielle Verlust wäre bereits eingeplant – und da er sowieso genug Geld auf der hohen Kante habe und seine wichtige Botschaft an die Welt, verstimmlicht von Bill Williamson, dem Hauptprotagonisten der Rampage-Filme, nun durch den letzten dieser "politisch wichtigen" Filme vollständig in die Welt getragen sei, betonte Boll noch einmal lautstark, dass seine Karriere als Filmemacher nach Rampage 3 endgültig beendet sei. Dabei wirkte er, wie so oft, wie ein beleidigtes Kind, mit dem niemand spielen will und das deswegen trotzig erklärt, dass es eh lieber alleine spiele.

Mit seiner mehr als offenen Art und seinen drastischen Äußerungen hatte Uwe Boll bei mir immer einen kleinen Stein im Brett. Irgendwo zwischen unterhaltsam, polarisierend, wildem Kopfschütteln und Gedanken á la "Oh, da hat er 'nen Punkt", pendelte sich meine Meinung über den Regisseur aus Wermelskirchen ein und insgesamt gehörte ich nie zu denen, die auf Boll und sein filmisches Schaffen einschlugen. Im Gegenteil, ich habe immer nach den wenigen Perlen gesucht. Postal, Rampage I & II, Assault on Wall Street und Darfur haben mir dabei sogar recht gut gefallen, womit Boll, in meinen Augen, die Prädikatisierung als "deutschem Ed Wood" beim besten Willen nicht verdient hat – auch wenn sich in seiner Vita wirklich grauenhafte Machwerke finden lassen.
Auf Rampage 3: President Down habe ich mich auf jeden Fall gefreut und war gespannt, was Boll uns als sein "Vermächtnis" präsentieren würde. Und dann brach dieser Film über uns herein... 

Handlung: Bill Williamson (Brendan Fletcher), der in den ersten beiden Teilen aus Frustration über die Gesellschaft, das politische System und die Reichen und Mächtigen zunächst Amok gelaufen war und dann einen ganzen Fernsehsender als Geiseln genommen und schließlich in die Luft gejagt hatte, hält sich in einem unterirdischen Versteck in einem abgelegenen Wald versteckt und plant dort seinen finalen Schlag gegen die Führung der USA. Wie der Titel des Films bereits verrät, ist dies die Ermordung des Präsidenten – inklusive Vizepräsident und Verteidigungsminister. Dies gelingt Bill auch (Leider Off Screen...), woraufhin die Welt in Panik gerät und sich daraufhin alle verfügbaren Kräfte auf die Suche nach dem Mörder des Staatsoberhaupts begeben. 
Leiter dieser Aktion sind die FBI-Agenten Vincent Jones (Ryan McDonell) und James Molokai (Steve Baran), die nach einiger Zeit dann auch auf die Spur von Bill Williamson, den die ganze Welt für tot gehalten hatte, kommen. Währenddessen schwingt dieser hochtrabende und plakative Reden in seine Kamera und verbringt noch ein wenig Zeit mit seiner Freundin und seinem Kind, bevor es auf die große obligatorische Konfrontation zwischen FBI und Bill hinausläuft...

Rampage: Capital Punishment (2014) 
© Event Film Distribution/Phase 4 Films
Fazit: An Rampage 3: President Down ist so ziemlich alles schlecht. Während die Vorgänger wenigstens noch ab und an mit gut gemachter Action und zynischem Humor glänzen konnten, ist hier wirklich alles nur noch voller Klischees, plakativer Meinungsmache, dummen Dialogen und billiger Action. An vielen Stellen lacht man gequält beschämt oder lauthals belustigt, an vielen anderen verdreht man nur noch die Augen. Motivation und Handlungen der Charaktere bleiben völlig unklar (auf Nachfrage am Ende konnte auch Boll auf manches nur mit "Keine Ahnung, woher soll ich das wissen?" antworten), Plotlöcher biblischen Ausmaßes durchziehen die Handlung und es ist unglaublich, wie dumm und plump der Großteil der Dialoge daherkommt. Vor allem die Gespräche zwischen den FBI-Agenten strotzen nur so vor Plattheit und Nichtigkeit, dass einem beinahe schlecht wird. Auch deren Darsteller sind unterirdisch und vollkommen unsympathisch. Der einzige Lichtblick auf Schauspielerseite bleibt Brendan Fletcher, der seine Sache als einziger gut macht und wirklich schauspielert, wodurch seine Mitstreiter allerdings noch hölzerner aussehen.
Doch wenn man von Darstellern, Handlung und Dialogen absieht, bleibt das, was die Rampage-Reihe ausmacht und wo auch Regisseur Boll die Prioritäten setzte: politische Botschaften vermittelt durch drastische und abschreckende Gewaltdarstellung – und was in den beiden vorherigen Teilen noch ganz gut funktionierte, wirkt hier nur noch plakativ und plump. Immer wieder setzt Bill Williamson sich vor seine Videokamera, erklärt die Korruptheit der Obrigen und ruft zu "Kill the Rich!" auf. Boll versucht seine Botschaften mit dem Holzhammer in die Köpfe der Zuschauer zu prügeln und beschränkt sich nicht auf den Pfahl, sondern winkt gleich mit dem gesamten Zaun. Nichts bleibt kryptisch, alles wird dem Publikum direkt auf die Nase gebunden. (Und die Diskussion, ob man gut gemeinte "politische" Aussagen, durch einen Amokläufer als Sympathiefigur herausposaunen muss, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst beginnen.)

Den letzten Hoffnungsschimmer für den Film stellen also Action und Gewalt dar, die in einem Film über einen Terroristen ja zur Genüge vorhanden sein sollten. Doch auch dieser Aspekt enttäuscht auf ganzer Linie. Nachdem bereits der Mord am Präsidenten Off Screen passiert war, beschränkt sich Boll zunächst für eine Stunde oder mehr auf die (schlechten geschriebenen) Charaktere, lässt sie Reden schwingen und gestelzt Interagieren. Erst zum Ende kommt es zum extrem enttäuschenden Showdown, in welchem das fehlende Budget mehr als deutlich wird. Hier werden immer wieder Szenen recycelt, die 20 Statisten in SWAT-Uniformen sterben mehrmals und Blut gibt es auch nahezu keins zu sehen. Die Waffen wirken nicht mal im Ansatz echt und der Sound (wie auch der Soundtrack) ist unterirdisch. Auch hier enttäuscht das Boll-Machwerk also auf ganzer Linie. Den Schlusspunkt setzen dann die obligatorischen Tode der Hauptpersonen, deren langgezogener Charakteraufbau keinerlei emotionalen Payoff erhält. Hier zeigt sich, deutlicher als ich es je zuvor in einem Boll-Film gesehen habe, schludriges und unmotiviertes Screenwriting. Damit stellt Rampage 3: President Down insgesamt den peinlichen Abschluss einer Trilogie, die – für Uwe Bolls Filmographie – recht vielversprechend gestartet war. 
Von mir gibt es dementsprechend keinerlei Sehempfehlung. Ich kann hier nur 2 von 10 Punkten geben und die sind allein für Brendan Fletchers wiederholt einigermaßen sehenswerte Darstellung des psychopathischen Bill Williamson.


Dr. Uwe Boll, der Thorsten Legat des Films
Wenn dieser Film wirklich das Vermächtnis von Uwe Boll sein sollte, wie er auch nach Ende des Films noch einmal lauthals betonte, wäre dies ein wenig beschämend. Denn Boll hat weitaus besseres abgeliefert als den Schund, den Rampage 3 darstellt. Das mag auch am niedrigen Budget liegen, doch ist auch neben den nicht vorhandenen Schauwerten viel zu viel falsch gelaufen in diesem Film – wie z.B. das absurd schlechte Drehbuch. 
Uwe Boll scheint dies nicht bewusst zu sein, er hält seinen, laut eigener Aussage, letzten Film für wahnsinnig wichtig. Die Schwächen scheinen ihm dabei durchaus bewusst zu sein, was wenige humorvolle Äußerungen zur Story durchblicken ließen, doch blockte Boll auch nahezu sämtliche Fragen zum Film ab und konzentrierte sich auf seine drastischen, lauten und teilweise wirren politischen Botschaften. Keiner von uns würde friedlich in seinem Bett sterben, globale Erwärmung oder Terror würden uns in die Quere kommen, Trump würde auf jeden Fall US-Präsident werden und es müsse endlich ein Ruck durch Deutschland und die ganze Welt gehen. 
Für mich bleibt Boll nach diesem Abend ein Mensch mit dicken Eiern, der seinen Standpunkt – der grundsätzlich auf guten Überlegungen basiert – mit breiter Brust vertritt. Damit ist er für mich nicht der "Deutsche Ed Wood", sondern vielmehr der Thorsten Legat der Filmbranche. Von Boll wird man auch in Zukunft bestimmt noch einiges hören, auch wenn (zunächst) nicht mehr in Form von Filmen – was nach Rampage 3 vielleicht auch besser ist. Denn eines hat er auch nach 32 Filmen mit insgesamt über 600 Millionen Dollar Budget nicht verstanden: dass es für einen guten Film vor allem auch eine gute und glaubhafte Geschichte braucht und nicht in erster Linie Gewalt, plakative Aussagen und teure Hollywoodstars.


... und wer Uwe Boll noch nie hat hassen hören, hier einmal seine Meinung zu Hollywood und seinen Stars:

Sonntag, 10. Juli 2016

Meine Top 5: Fußball-Filme

Seit ich mich erinnern kann, brennt mein Herz für den größten Sport der Welt: König Fußball. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist die an die EM '96, Kicker-Sonderheft und Panini-Sammelalbum waren meine Bibel und viele Jahre habe ich auch selbst die Fußballschuhe geschnürt (selbstverständlich nur auf sehr bescheidenem Niveau). So war es nur logisch, dass ich auch in filmischer Hinsicht alles, was auch nur entfernt mit meiner Lieblingssportart zu tun hatte, aufsog wie ein Schwamm. 

Zur diesjährigen Europameisterschaft überkam mich mal wieder die Lust, ein paar meiner liebsten Fußball-Filme erneut anzuschauen. Und im Vorfeld des großen Finales – das leider ohne die deutsche Mannschaft stattfindet – präsentiere ich euch an dieser Stelle einmal meine fünf Favoriten. Vielleicht ist jemand, trotz der gewaltigen Dosis Fußball in den vergangenen Wochen, noch nicht endgültig gesättigt und findet hier ein klein wenig Inspiration für weitere Fußball-lastige Abende.


(© Buena Vista Pictures)
5. Goal! (2005)
Den Anfang macht ein ein Film, der eines meiner Guilty Pleasures darstellt. In Goal! von Regisseur Danny Cannon wird der Aufstieg des mexikanischen Stürmertalents Santiago Muñez (Kuno Becker) verfolgt. Auf dem Platz eines kleinen Vereins aus Los Angeles von Talentscout Glen Foy (Stephen Dillane) entdeckt, wagt er den Schritt nach Europa – und kann bei einem Probetraining die Verantwortlichen des englischen Erstligisten Newcastle United von seinen Fähigkeiten überzeugen. Von da an erlebt der Zuschauer die Irrungen und Wirrungen des amerikanischen Toptalents inmitten einer europäischen Topmannschaft und seinen obligatorischen Aufstieg zum gefeierten Star.

Wie oben erwähnt, sehe ich Goal! eher als eine Art Guilty Pleasure. Mein 15-jähriges, fußballverrücktes Ich feierte den Film damals stark ab und ertrug sogar noch die beiden schlimmen Fortsetzungen – doch mittlerweile sehe ich den Film etwas nüchterner. Die klischeebeladene Handlung ohne jede Überraschungen, die teilweise in soaphaften Kitsch abgleitet und die nicht immer überzeugenden Darsteller fallen stark ins Gewicht. Weshalb Goal! trotzdem seinen Platz in dieser Liste verdient hat? Weil durch die Originalschauplätze und die Cameo-Auftritte sehr vieler damaliger Topstars – wie David Beckham, Zinédine Zidane, Alan Shearer, Steven Gerrard oder Trainer Sven-Göran Eriksson – auch eine große Portion Realismus Einzug in den Film nimmt und vor allem die Spielszenen großartig präsentiert werden. Dadurch macht der Film trotz vieler offensichtlicher Schwächen Spaß – von Goal II und III sollte man allerdings die Finger lassen. 5 von 10 Punkten für den ersten Teil der Trilogie.


4. United (2011)
Der 6. Februar 1958 ging als einer der tragischsten Tage des englischen Fußballs in die Geschichte ein: auf dem Rückflug von einem Europapokalspiel bei Roter Stern Belgrad stürzt die Maschine mit der Mannschaft Manchester Uniteds über München ab. Acht Spieler aus der Mannschaft um Englands späteren Superstar Bobby Charlton verloren durch dieses Unglück ihr Leben.
Der britische Fernsehfilm von Regisseur James Strong zeigt dabei anhand der Figur Bobby Charltons (Jack O'Connell) die Zeit vor der Katastrophe, in der Charlton in die Profimannschaft, zu den "Busby Babes" – so der Name, den die junge Mannschaft von Trainer Matt Busby durch die Öffentlichkeit verliehen bekam – stößt und seine ersten Spiele bestreitet, den Absturz selbst, sowie die folgenden Nachwehen. 
Es gibt einige Gründe, weshalb United es auf Platz 4 meiner Liste geschafft hat. Er ist mit Jack O'Connell, David Tennant und Sam Claflin in den Hauptrollen prominent besetzt und alle liefern sehr gute Leistungen ab. Die Figuren sind sympathisch und interessant – wenn auch nicht frei von Klischees. Schnell schließt man die Protagonisten in der ersten Hälfte des Films in sein Herz, umso härter trifft dann auch der Flugzeugabsturz. Natürlich wird dabei nicht mit Pathos gegeizt, vor allem gegen Ende, doch ist Gänsehaut dadurch garantiert. 
Insgesamt ein wirklich charmant-tragischer Film, der nichts besonderes bietet, aber das Thema wirklich gut aufarbeitet und über seine 90 Minuten durchgängig höchstes Fernseh-Niveau bietet. Schade ist dabei nur das fast gänzliche Fehlen von Spielszenen, die für mich in einem Fußballfilm doch recht wichtig sind, was aber wahrscheinlich dem Budget geschuldet ist. Alles in allem auf jeden Fall einen Blick wert – 6 von 10 Punkten.


3. Hooligans (2005)
(© Universal Pictures)
Der Film der deutschen Regisseurin Lexi Alexander stellt – wie der Titel unschwer vermuten lässt – nicht den Fußball selbst, sondern die gewaltbereite Fanszene in den Mittelpunkt.
Der Amerikaner Matt Buckner (Elijah Wood) steht kurz vor dem Abschluss seines Journalismus-Studiums, als er unregelmäßig von der Bildungseinrichtung verwiesen wird. Er fliegt daraufhin zu seiner Schwester und ihrem Mann nach London, wo er den Schwager seiner Schwester, Pete (Charlie Hunnam), kennenlernt. Dieser ist Anführer der berühmt-berüchtigten Hooligan-Vereinigung Green Street Elite (GSE) aus dem Umfeld des englischen Erstligisten West Ham United. Der "Yankee" findet Gefallen am europäischen Sport und der fragwürdigen Leidenschaft seiner Anhänger, erarbeitet sich nach und nach Respekt in der GSE und wird in die blutige und seit langem existierende Fehde mit den Hooligans des FC Millwall hineingezogen.

Wie auch Goal! gehört Hooligans zu den Filmen, die ich zur Zeit ihrer Entstehung und damit in meinen Teenie-Jahren, für wahrlich großartig hielt. Während Ersterer in meiner Gunst doch stark gesunken ist, halte ich Hooligans noch immer für eine wirklich gute Milieustudie. Er ist dabei nicht sonderlich tiefgründig, sondern legt viel wert auf die blutigen Kämpfe, doch schafft er es trotzdem, die Hooligan-Szene glaubhaft zu porträtieren. Elijah Wood liefert dabei, nicht lange nach seiner großen Rolle als Frodo in Der Herr der Ringe, eine starke Performance ab und bringt die Gradwanderung zwischen kultiviertem Studenten und verrohtem Hooligan gekonnt auf die Leinwand. Auch abseits davon überzeugen sämtliche Darsteller und so inszenierte Lexi Alexander in ihrem ersten Langfilm ein packendes Action-Drama im Fußball-Dunstkreis 7 von 10 Punkten.


2. The Damned United – Der ewige Gegner (2009)
(© Columbia Pictures)
Bevor Tom Hooper 2010 mit The King's Speech den Besten Film der Oscarverleihung 2011 inszenierte, für den er auch die Auszeichnung als Bester Regisseur einheimste, drehte er 2009 The Damned United über die Rivalität des Fußballtrainers Brian Clough zu seinem Kollegen Don Revie. 
Der Film nimmt dabei das Jahr 1974 als Aufhänger, in welchem Don Revie (Colm Meaney) nach 13 Jahren seinen Rücktritt als Trainer von Leeds United verkündet, um Nationaltrainer Englands zu werden. Sein größter Konkurrent der Vorjahre, Brian Clough (Michael Sheen), übernimmt seinen Posten in Leeds. Ausgehend davon, wird die Rivalität zwischen beiden Trainern vom Jahr 1968 an erzählt, in dem Clough noch Co-Trainer bei Zweitligist Derby County ist, welchen er in den Folgejahren zum englischen Meister aufbaut und Revie gerade zum Trainer des Jahres in England gewählt wurde – beginnend mit einem Match im FA Cup, wo beide das erste Mal aufeinander treffen.

Im Nachklang des Films gab es laute Kritik an der negativen Darstellung Don Revies und seiner Mannschaft Leeds United – und tatsächlich werden diese, im Vergleich zum Gegenpol, nicht gerade in einem strahlenden Licht dargestellt. Doch auch Brian Clough ist nicht frei von Makeln: der Kernpunkt der Erzählung, die krankhafte Rivalität zu seinem Kollegen, zeigt einen Getriebenen, einen Mann, der von seinem Gegenüber besessen ist. Diese psychologische Studie einer faszinierenden Person fesselt durchgehend, wozu die nicht-chronologische Erzählweise noch einmal beiträgt. Weiterhin können auch die Szenen, in denen der Fußball im Vordergrund steht, vor allem der Aufstieg Derby Countys vom Zweitligisten zum Europapokal-Halbfinalisten durchweg überzeugen.
Besonders hervorgehoben sei noch die historische Authentizität, die den Film so glaubhaft wirken lässt und vor allem auch der grandiose Cast um Michael Sheen und Colm Meaney, der neben unbekannteren auch mit prominenteren Darstellern wie Timothy Spall und Jim Broadbent gespickt ist. Diese beiden Faktoren, im Zusammenspiel mit einem interessanten und fesselnden Drehbuch, lassen The Damned United zu einem kurzweiligen, unterhaltsamen und – für mich – besten Fußball-Spielfilm werden. 7,5 von 10 Punkten.


(© Mindjazz Pictures)
1. Tom meets Zizou  Kein Sommermärchen (2011)
Mit dieser Dokumentation über den deutschen Fußballer Thomas Broich schuf Aljoscha Pause die wohl intimste und faszinierendste Nahaufnahme des Lebens als Fußballprofi, die es derzeit zu sehen gibt. Von 2003 bis 2011 verfolgte der Regisseur den Profi Broich – vom steilen Aufstieg in die Bundesliga, über den langsamen Abstieg und schließlich in die sonnige Fußballliga Australiens. 

Thomas Broich ist als Protagonist dieser Langzeitdokumentation ein überaus sympathischer Ankerpunkt, der alles andere als auf den Kopf gefallen ist und immer unangepasst blieb. Ein Typ, der den Fußball bereicherte, aber mit seiner Art auch immer wieder aneckte. Deshalb entstand hier eine Geschichte, die so nicht besser hätte geschrieben werden können. Vom Aufstieg, den folgenden Problemen, kleinen und großen Dramen und einem schönen und emotionalen Finale. Neben dem Portrait eines faszinierenden Menschen, bietet Tom Meets Zizou viele tiefgehende Einblicke in die (scheinheilige) Welt des Profifußballs, beschäftigt auch über die Laufzeit von (keineswegs zu langen) 135 Minuten hinaus und lässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück. Die beste Fußball-Dokumentation, die ich bisher gesehen habe 9 von 10 Punkten.


Sonntag, 3. Juli 2016

Nach Once, Can a Song Save Your Life? und Sing Street – Ein hochverdientes Loblied auf John Carney

Zugegeben: die drei Musikfilme von John Carney sind nichts Revolutionäres. Es sind kleine Geschichten mit sympathischen Charakteren und großartiger Musik. Sie sind dabei mal leise, mal laut. Mal melancholisch, mal himmelhoch jauchzend  und immer etwas ganz besonderes.

(© Fox Searchlight Pictures)
Carney, zwischen 1991 und 1993 selbst Bassist der irischen Band The Frames, beweist dabei immer und immer wieder sein wunderbares Gespür für die Verbindung von Musik und Film. In Once (2007) präsentiert er dem Zuschauer dabei die Geschichte eines irischen Straßenmusikers, der auf eine junge Blumenverkäuferin trifft. Auch sie musiziert und so entsteht aus dem musikalischen Fundament eine enge, freundschaftliche und kreativ fruchtbare Beziehung. Die schöne, kleine Geschichte bleibt immer dicht bei den Charakteren, ihren Gefühlen und Emotionen. Besonders durch die genialen Songs treten diese immer wieder zu Tage – hauptsächlich geschrieben von  den beiden Hauptdarstellern Glen Hansard, Frontmann von The Frames und langjähriger Freund John Carney und Markéta Irglová, ebenfalls professionelle Musikerin. 
Die Kombination aus extrem sympathischen Figuren und deren toller Musik sorgte seinerzeit wohl auch für den – im Vergleich zu den sehr geringen Produktionskosten von 112.000 Euro – großen kommerziellen Erfolg (weltweit knapp 20 Millionen Euro). Der endgültige Ritterschlag für Carney, Hansard und Irglová folgte dann bei der Verleihung der Academy Awards 2007, als sich das wunderbare Duett Falling Slowly der beiden Hauptdarsteller gegen seine Konkurrenz (größtenteils aus dem Hause Disney) durchsetzte und die Trophäe abräumen konnte. 

Steven Spielberg: "A little movie called Once gave me enough inspiration to last the rest of the year."

(© The Weinstein Company)
Bei der Oscarverleihung 2014 konnte sich John Carney dann ein weiteres Mal Hoffnungen auf einen Award machen, der Song Lost Stars, geschrieben von den beiden Musikern Gregg Alexander und Danielle Brisebois, musste sich jedoch Glory aus dem Film Selma
geschlagen geben. Trotzdem kann man auch Can a Song Save Your Life? (2013) nur mit Bewunderung entgegen treten.
Carney schrieb das Script zum Film im Jahr 2010 und tat sich daraufhin mit Gregg Alexander zusammen, der die Musik schrieb. Im Grunde kann man die Geschichte als eine Weiterentwicklung von Once sehen. Auch hier treffen sich zwei Personen, die beide ihre Probleme im Leben haben – wunderbar verkörpert von den grandios aufspielenden Stars Keira Knightley und Mark Ruffalo. Und auch hier entwickelt sich aus der Bekanntschaft der beiden eine freundschaftliche Beziehung, die sich in wunderbarer Musik niederschlägt. Knightley und ihre Kollegen perfomen die Songs verdammt stark und neben der Musik sind wieder die Charaktere, seien es Haupt- oder Nebenfiguren, die größten Stärken des Films. Im Gegensatz zu Once werden diese aber differenzierter und vielschichtiger, was Can a Song Save Your Life? noch einmal eine weitere Ebene verleiht. Dafür tritt die Musik, die im Film aus 2006 noch die eigentliche Hauptrolle spielte, ein wenig mehr in den Hintergrund. Das lässt den Film weder besser noch schlechter als seinen Vorgänger dastehen, er ist einfach genauso anders, wie er gleich ist. Während in Once die Geschichte der Aufhänger für die Musik ist, ist in Can a Song Save Your Life? die Musik eher Aufhänger für eine schöne und berührende Geschichte. Und beide Filme funktionieren auf ihre Art wunderbar, in Unterschieden und Gemeinsamkeiten. 

(© The Weinstein Company)
In einer Szene sagt Dan, die von Mark Ruffalo dargestellte Figur: "That’s what I love about music. All these banalities suddenly turn into beautiful pearls." – ein Zitat, das auch exemplarisch für die Filme von John Carney stehen könnte. Denn meist sind es die Banalitäten des Lebens, die kleinen Irrungen und Wirrungen des Leben, die das wunderbare an Carneys Filmen ausmachen und die durch die jeweilige Musikuntermalung zu großen Emotionsträgern werden.
Dieser Trend setzt sich auch in Sing Street (2016), dem letzten Film des Regisseurs fort. Auch hier ist die Geschichte recht klein und unspektakulär, aber gefüllt mit höchst liebenswerten Charakteren, großen Gefühlen ausgezeichneter Musik. Die Geschichte spielt dabei im Dublin des Jahres 1985 und begleitet den 14-jährigen Conor (hervorragend verkörpert von Ferdia Walsh-Peelo), der aufgrund eines finanziellen Engpasses seiner Familie die Privatschule verlassen und ab sofort eine staatliche Einrichtung besuchen muss. Dort muss er um Anerkennung kämpfen – zunächst bei seinen männlichen Schulkameraden und dann auch noch bei der attraktiven Raphina (ebenfalls toll verkörpert durch Lucy Boynton). Dies gelingt ihm, indem er rasch eine Band auf die Beine stellt, deren Sänger er wird. Immer unterstützt von seinem großen, musikverliebten Bruder – die wohl sympathischste Figur des ganzen Films – und mit der Inspiration von Top of the Pops im Ohr, schafft so die Musik wieder einmal das, was unmöglich schien und vereint die verschiedensten Charaktere auf wundervolle Weise.
Wie bereits in Once und Can a Song Save Your Life? steht auch hier wieder die Musik im Mittelpunkt. Nachdem in ersteren beiden Singer/Songwriter-Klänge dominierten, orientiert sich der Soundtrack von Sing Street an den Pop-Größen der 80er Jahre  A-ha, The Cure, Duran Duran, Spandau Ballett. Lieder dieser Ikonen finden sich auch im Film, doch den Höhepunkt machen wieder einmal die Eigenkompositionen aus. Die titelgebende Band, die Conor gründet, Sing Street, gibt sieben tolle Songs zum besten, die sich perfekt in den Film einfügen, schnell ins Ohr gehen und vor allem direkt dem Jahr 1985 entsprungen sein könnten. Mal schnell, mal langsam, mal freudig erregt, mal melancholisch  aber immer typisch 80s-Pop. Großartig, was John Carney hier zusammen mit Musiker Gary Clark und Mitgliedern der irischen Band Relish aufs Papier und in Musikform gebracht hat. Und auch alles in allem mal wieder ein verdammt starker Film.

An einer Stelle sagt Raphina zu Conor, bzw. Cosmo, so sein "Künstlername": "Problem is, you're not happy being sad. That's what love is, Cosmo. Happy sad." – und genau das ist Sing Street und eigentlich alle drei Filme Carneys. Happy sad.
Melancholisch und auf eine gewisse Weise traurig und tragisch, aber dabei immer optimistisch und durch und durch lebensbejahend. Sie hinterlassen den Zuschauer mit einem guten Gefühl im Bauch und mindestens einem fantastischen Ohrwurm im Ohr. Und genau deswegen sind diese Streifen für mich Meisterwerke und immer und immer wieder guckbar 
– und die Soundtracks Dauergäste in meiner Playlist. 


Das wunderbare Musikvideo zu The Riddle of the Model aus Sing Street.

Oscar-Nominiert: Lost Stars aus Can a Song Save Your Life?

Oscar-Prämiert: Falling Slowly aus Once.

Samstag, 25. Juni 2016

Frankenhooker

(© Shapiro-Glickenhaus Entertainment)
Frankenhooker (USA 1990, 81 Minuten)

Regie: Frank Henenlotter

Besetzung: James Lorinz (Jeffrey Franken), Patty Mullen (Elizabeth Shelley), Joseph Gonzalez (Zorro)

Handlung: Nachdem seine attraktive, 21-jährige Verlobte Elizabeth bei einem tragischen Rasenmäher-Unfall ums Leben gekommen ist, setzt der "leicht" verrückte, ehemalige Medizinstudent und nun Erfinder/Wissenschaftler, Jeffrey wirklich alles daran, die Liebe seines Lebens in eben dieses zurück zu holen – und entschließt sich dazu, Elizabeth' verbliebene Körperteile (Kopf, Fuß und Hand) mit den schönsten Extremitäten von New Yorks Prostituierten zu ergänzen und schließlich mit einer gewaltigen Ladung Elektrizität zum Leben zu erwecken. Doch natürlich verhält sich Elizabeth danach nicht wie zuvor...

Zum Film: Nachdem arte in der vergangenen Woche bereits Re-Animator im Nachtprogramm zeigte, war diese Woche Frankenhooker an der Reihe – eine gute Möglichkeit, sich diesen Kultfilm von Basket Case-Regisseur Frank Henenlotter einmal zu Gemüte zu führen.

Basket Case konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen, zwar strotzte er nur so vor Abstrusität und war ein unterhaltsamer Splatter-Spaß, doch funktionierte er als Horrorfilm in keiner Weise und konnte nur durch unfreiwilligen Humor punkten (Hier meine Review im Rahmen des letztjährigen #Horrorctober).
In seiner Frankenstein-Version Frankenhooker versucht Henenlotter dann auch gar nicht mehr den Horror in den Vordergrund zu schieben, sondern setzt gleich auf die abstrus-skurrile-Spaßschiene – und das ist genau die richtige Entscheidung! In jedweder Hinsicht überspitzt wird uns die Geschichte von Jeffrey dargeboten. Sei es die Hauptfigur selbst, die sich zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen regelmäßig selbst mit dem Akkubohrer penetriert, der muskelbepackte und beschnurrbartete Klischee-Pimp Zorro oder dessen "Angestellte" die in einer Tour nach Geld und Crack lechzen. Und auch die Locations stehen dem in nichts nach; weder die mit skurrilen Gestalten bevölkere Rotlichtszene New Yorks, noch das mit nicht weniger skurrilen Geräten ausgestattete Labor von Jeffrey. All das macht beim Zusehen einen solchen Spaß, dass die Leistungen der Darsteller, die über Overacting noch hinausgehen, sich genauso wunderbar in das obskure Gesamtwerk einfügen, wie die – zu größten Teilen – miesen Special Effects.
All das zusammen beschert dem geneigten Zuschauer ein wahres Trash-Feuerwerk, das über 70 Minuten durch seinen Look, seine Dialoge, seine Charaktere und Darsteller auf hohem Niveau unterhält, bevor das Finale dann noch einmal in allen Belangen überzeugen kann und dem Ganzen eine große, bunte, böse Krone aufsetzt.
Fazit: Während Nacktheit und Brutalität des Films heutzutage keinen 14-jährigen mehr aus der Reserve locken würden, überzeugt Frankenhooker vor allem durch seine abgedrehte Skurrilität, die ihn in meinen Augen zu einem wirklich wunderbaren Stück Film werden lässt. Als Mischung aus Parodie und Hommage an Mary Shelley (man schaue auf den Nachnamen von Elizabeth), Frankenstein und den Low-Budget-Horrorfilm funktioniert Frankenhooker grandios und stellt dabei eine Kreuzung aus Frank Henenlotters erstem Film Basket Case mit Stuart Gordons Re-Animator dar, gewürzt mit einer Prise Sex und abstruser Komik.
Für einen feucht-fröhlichen Abend in geselliger Runde der perfekte Film, aber auch sonst sehr unterhaltsam – von mir gibt es gute 7 von 10 Punkten für Frank Henenlotters B-Movie-Klassiker!

Donnerstag, 23. Juni 2016

Daumen runter: Social Media-Grusel

Das Thema Social Media wird immer wichtiger und populärer. Facebook, Twitter und Co. zählen zu den größten Meinungsmachern unserer Zeit, Viele Zeitgenossen haben einen Teil ihres Lebens bereits in die virtuellen Welten verlagert. Und auch der Horrorfilm ist mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen – der erste große Vertreter war im Sommer 2015 Unknown User, bevor in diesem Jahr Unfriend vom deutschen Regisseur Simon Verhoeven in die Kinos kam und nun auch den Heimvideo-Markt erreicht.
Beide Filme nutzen Social Media als Aufhänger – beackern dabei jedoch verschiedene Terrains. Während Unknown User (U.S.A. 2015, O.T.: Unfriended, Regie: Levan Gabriadze, FSK 16, 83 Minuten) sich im weitesten Sinne in das Found Footage-Genre einordnet, wandelt Unfriend (Deutschland 2016, O.T.: Friend Request, Regie: Simon Verhoeven, FSK 16, 93 Minuten) auf den ausgetretenen Pfaden des Teenie-Slashers. 

Unknown User
(© Universal Pictures)
Die Idee hinter 'Unknown User ist wirklich nicht schlecht. Nahezu die gesamte Handlung spielt sich auf dem Desktop der Hauptfigur Blaire Lilly (Shelley Hennig) ab, wo sie via Skype Videochats mit ihren Freunden führt. 
Die Story ist dabei profan und wenig überraschend: ein Jahr, nachdem sich die Schülerin einer Highschool wegen Mobbings das Leben genommen hatte, versammeln sich fünf Freunde in einem Videochat. Irgendwann gesellt sich ein "Unknown User" zu den Freunden, der sich partout nicht wieder entfernen lässt. Gleichzeitig treffen auch via Facebook merkwürdige Nachrichten vom Account des toten Mädchens ein und unangenehme Fotos erscheinen auf der Profilseite der Hauptfigur – ein munteres gegenseitiges Beschuldigen geht los, bevor dann schließlich ein Teilnehmer der Chatgruppe nach dem anderen das zeitliche segnet...

Insgesamt ist der Film ziemlich enttäuschend. Die gute Idee der Abwandlung des Found Footage-Stiles ist zunächst cool, nutzt sich aber leider sehr schnell ab und langweilt schließlich nur noch. Dazu nervt es alsbald, dass die meiste Zeit des Films nur ein kleiner Teil des Bildes durch den Videochat genutzt wird. 
Neben der Machart hat der Film leider überhaupt nichts Neues zu bieten. Die Story ist altbekannt und zu keinem Zeitpunkt überraschend, die Charaktere typisch nervige Highschool-Kids und weder Grusel-, noch Gewaltmomente funktionieren. Ganz im Gegenteil sogar, irgendwann gleitet Unknown User in Bereiche der unfreiwilligen Komik ab, die einem (Möchtegern-)Horrorfilm alles andere als gut tun.
Für die gewagte und frische Idee gibt es von mir dennoch ein paar Gnadenpunkte, der Rest ist leider altbekannt, nervig und ungewollt komisch. So gibt es insgesamt nur 3 von 10 Punkten.
... ein Sequel wurde übrigens bereits angekündigt und dessen Produktion begonnen. Außerdem diente der Erfolg des Films (Budget: 1 Million Dollar, Box Office: 64 Millionen Dollar) als Anstosspunkt für die Produktion des zweiten Social Media-Horrorfilms:

(© Warner Bros. Pictues)
Unfriend
Der Film des 'Männerherzen'-Regisseurs Verhoeven ist neben der Social Media-Thematik vor allem deshalb interessant, weil es sich um eine deutsche Produktion handelt. Da er für den Weltmarkt gedreht wurde, merkt man davon jedoch kaum etwas. Die Rollen sind mit englischsprachigen Darstellern besetzt, gedreht wurde in Südafrika und die Handlung spielt in den Vereinigten Staaten. Was dabei sehr positiv auffällt, ist der internationale Look, den Verhoeven seinem Film verleiht. Keine Spur von deutschem TV-Look, zumindest äußerlich bietet Unfriend gutes internationales Niveau. 
In Sachen Handlung passt sich der Film jedoch leider auch den meisten US-Teeniehorror-Produktionen an – und weist eine frappierende Ähnlichkeit zu Unknown User auf.

Auch hier gibt es eine Clique von High-School-Freunden auf der einen und ein freundeloses Mädchen auf der anderen Seite. Die Hauptfigur und Kernpunkt der Clique, Laura (Alycia Debnam-Carey), erhält eines Tages bei Facebook eine Freundschaftsanfrage der Außenseiterin Marina (Liesl Ahlers). Sobald diese virtuelle "Freundschaft" besteht, wird die Einzelgängerin (die das Teeniefilm-Klischee einer solchen durch und durch erfüllt: bleich, lange schwarze, fettige Haare, Schlabberlook) plötzlich ziemlich anhänglich.
Das Beenden der "Freundschaft" durch Laura führt dann schließlich zum Selbstmord Marinas vor laufender Kamera – was selbstverständlich einen Fluch auslöst, der einen von Lauras Freunden nach dem anderen auf grausame Weise dahinrafft... 


Wie bereits erwähnt, gibt es am Look des Films nichts auszusetzen – eher im Gegenteil, es gibt einige Sequenzen, die wirklich gefallen, in denen Verhoeven und sein Kameramann Jo Heim visuell wirklich überzeugende Bilder abliefern, die zu faszinieren wissen. Auch die Todesszenen sind – im Gegensatz zu denen in Unknown User  kreativ und gut anzuschauen. Leider setzt Unfriend, wie es im Genre des Teenie-Horrors Gang und Gäbe ist, auch oft auf platte Jump-Scares und konzentriert sich zu sehr darauf, typisch amerikanisch zu sein, sodass die Kreativität in den Bildern leider in der sonst sehr faden Inszenierung untergeht.
So bleibt auch der zweite Social Media-Film hinter den Erwartungen zurück. Zwar ist er deutlich hochwertiger produziert als Unknown User und verliert sich nicht in unfreiwilliger Komik, doch ist die Geschichte durch unzählige Filme bekannt und wird hier auch nicht in eine Richtung gelenkt, die daraus ein lohnenswertes Seherlebnis gemacht hätte, so wie es z.B. It follows 2014 so wunderbar schaffte. 
Alles in allem ist Unfriend für 12- bis 16-Jährige Teenager sicher ein großer Spaß, doch für Leute, die schon ein paar Horror- und Gruselfilme in ihrem Leben gesehen haben leider eher Zeitverschwendung. Da nützt auch die frische Social Media-Thematik nichts, die auch nur als Aufhänger für die ausgewaschene Geschichte dient. So gibt es leider auch hier nur 4 von 10 Punkten.

Social Media-Horrofilme

Von mir gibt es also ein klares "Daumen runter" für die beiden Social Media-Horrorfilme des vergangenen Jahres. Hat sich das Genre also schon totgelaufen, bevor es überhaupt in Fahrt gekommen ist? Ich würde sagen: Nein, geben wir ihm noch eine Chance. 

Der zweite Teil von Unknown User wird in naher Zukunft kommen und aufgrund des Erfolges des ersten Teils ein größeres Budget erhalten – ob die Macher dies in bessere, frischere Ideen ummünzen könne, steht in den Sternen. Doch das Potential ist definitiv vorhanden. 
Social Media und die weltweite Vernetzung werden unser tägliches Leben immer mehr durchziehen und bietet daher den perfekten Nährboden für Horrorfilme. Erstens durch die Ummünzung des Harmlosen, des Uns Bekannten in etwas Grauenhaftes, Erschütterndes und Zweitens durch die Einarbeitung der digitalen Medien in das Medium Film, wie es in Unknown User versucht wurde. 
Dieser Ansatz sollte weiterverfolgt werden und ich kann mir vorstellen, dass diese Art des Found-Footage in Zukunft große Wellen schlagen könnte – doch braucht es, wie der Horrorfilm im Allgemeinen, frische und mutige Ideen. Wir brauchen kein Social Media-Äquivalent zu Paranormal Activity, sondern neue Geschichten mit guten Ideen. Und dafür liefern die virtuelle Vernetzung eine Menge Material. Nun liegt es an den Filmemachern, daraus etwas zu machen, das nicht nur die Zielgruppe der 14-Jährigen begeistert.

Donnerstag, 31. März 2016

10 Cloverfield Lane

(© Paramount Pictures)
10 Cloverfield Lane (USA 2016, 103 Minuten)

Regie: Dan Trachtenberg

Besetzung: John Goodman (Howard Stambler), Mary Elizabeth Winstead (Michelle), John Gallagher, Jr. (Emmett DeWitt)

Handlung: 10 Cloverfield Lane ist ein Film, über den man im Vorfeld möglichst wenig weiß, wofür die sehr zurückhaltende Werbekampagne auch größtenteils sorgen konnte. Deshalb werde auch ich an dieser Stelle nur ganz knapp auf den Verlauf der Handlung eingehen.
Nach einem Autounfall findet sich Michelle gekettet an ein Feldbett in einer Art Bunker wieder. Eine Erklärung für ihre Situation bietet ihr schließlich Howard, welcher ihr angeblich das Leben gerettet habe: die Erde sei angegriffen worden und außerhalb der Bunkertüren herrsche ein chemischer oder atomarer Fallout, weshalb der unterirdische Zufluchtsort in keinem Fall verlassen werden dürfe.

Zum Film: Im Jahr 2008 war der von J.J. Abrams produzierte Found-Footage-Monsterfilm Cloverfield ein unerwarteter Erfolg an den Kinokassen sowie bei den Kritikern. Eine undurchschaubare virale Marketingkampagne und eine große Geheimhaltung seitens des Verleiher und der Produzenten sorgten im Vorfeld des Films für einem großen Buzz, welcher mit für den späteren Erfolg verantwortlich war. Immer wieder war danach über eine Fortsetzung von Cloverfield spekuliert worden, bis schließlich ein Trailer unter dem Titel 10 Cloverfield Lane veröffentlicht wurde, der inhaltlich jedoch kaum etwas bis gar nichts mit seinem geistigen Vorgänger gemein hatte. Da jedoch neben dem Titel und des ähnlich passiven Marketings auch J.J. Abrams erneut als Produzent an Bord war, konnte man von einer klaren Verbindung zwischen beiden Filmen ausgehen.
Damit sind wir auch schon beim ersten wichtigen Punkt: man sollte keine direkte Fortsetzung zu Cloverfield erwarten. Wie auch Abrams betonte, handelt es sich hierbei vielmehr um eine geistige Fortsetzung, die bestimmte Elemente des Vorgängers aufgreift, jedoch das meiste anders macht. Auch an dieser Stelle möchte ich mich mit Informationen zurückhalten, da ich ebenfalls unwissend im Kino saß und dies für mich einen großen Gewinn darstellte. Was ich verraten kann ist, dass es sich hier um einen Thriller im Kammerspiel-Gewand handelt, der es auf eine wunderbar minimalistische Art schafft, eine enorme Spannung aufzubauenDas Setting, die Inszenierung, die Geschichte selbst – alles ist bewusst klein gehalten und auch deshalb kann eine packende, klaustrophobische Atmosphäre aufgebaut werden. 
Die größte Stärke des Films liegt jedoch in seinen Darstellern – vor allem John Goodman spielt ganz groß und wahnsinnig überzeugend auf. Doch auch Mary Elizabeth Winstead und John Gallagher, Jr. spielen stark und überzeugen auf ganzer Linie. Sie alle wissen die wechselnden Emotionen und Gefühlslagen, die der Film ihnen abverlangt, grandios wiederzugeben und den Zuschauer für sich einzunehmen.
Insgesamt bietet 10 Cloverfield Lane ein Wechselbad der Gefühle, von depressiv bis euphorisch. Nie kann man sich einer Sache so wirklich sicher sein, man wird hinters Licht geführt, freut sich mit den Protagonisten, leidet mit ihnen. So fiebert man bis zum Finale mit und erwartet mit Spannung die Auflösung des Ganzen – die einem schließlich auch präsentiert wird. Ob man damit dann zufrieden ist, sei jedem selbst überlassen, ich jedenfalls war es.


Fazit: Ohne wirklich etwas zu wissen, saß ich im Kinosaal und war von Beginn an gebannt. 10 Cloverfield Lane ist ein kleiner Film, der allerdings großen Eindruck macht. Die Schauspieler liefern grandiose Leistungen und sind das klare Herzstück des Films. Gebannt verfolgt man jede Wendung und fiebert dem Finale entgegen. Das kann man dann mögen, muss man aber nicht.
Alles in allem ist 10 Cloverfield Lane eine großartige Mischung aus Thriller und Kammerspiel und nur in ganz wenigen Punkten eine geistige Fortsetzung zu Cloverfield. Man sollte also nicht den Fehler machen und ein wirkliches Sequel erwarten, denn damit haben wir es hier beim besten Willen nicht zu tun.

Wertung:
Mein Kinoerlebnis war großartig und ich habe am Film selbst wenig auszusetzen. Natürlich gibt es hier und da kleine Kritikpunkte, auf die ich hier aus Spoilergründen nicht weiter eingegangen bin, doch insgesamt ist 10 Cloverfield Lane eine wirklich positive Überraschung und eine klare Empfehlung meinerseits. 8 von 10 Punkten.